Trägerschaft · Geschichte

Geschichte

Das Typorama begann 1979 mit einer einzigen Setzmaschine — und mit der Weigerung, eine Technik verschwinden zu lassen, die gerade abgeschafft wurde.

01 — Der Anfang

Eine Maschine, die niemand mehr wollte

Im September 1978 wechselt eine Linotype Ideal den Besitzer: Modell 4, Baujahr 1912, seit Jahrzehnten in der Druckerei Gammeter in St. Moritz im Einsatz. Der Preis liegt bei 500 Franken — ungefähr dem, was das Altmetall wert war. Am 9. März 1979 wird sie abgeholt. Das ist das Datum, ab dem das Typorama sein Alter zählt.

Einen Monat später kommen zwei weitere dazu, eine Linobar und eine Barotype, aus einer Druckerei in Gossau. Auch sie standen vor dem Schrott. In diesen Jahren wurde der Bleisatz in ganz Europa abgeschafft, und was hundert Jahre lang das Rückgrat des Zeitungsdrucks gewesen war, ging zum Alteisen. Wer eine Maschine übernehmen wollte, musste sie nur abtransportieren.

02 — 1979 bis 1997

Das Kleine Setzmaschinen-Museum

Aus drei Maschinen wird eine Sammlung. Sie wächst nach einem Plan und nach Gelegenheit zugleich. Der Plan: alle Grundtechniken des Buchdrucks, von den fünf Linotype-Grundmodellen über ihre Konkurrenten bis zu je vier Bauarten bei Tiegeln und Zylinderpressen. Die Gelegenheit: eine Monotype-Anlage aus St. Gallen, ein Typograph, eine Ludlow aus Sarnen, eine Universa, eine Quadriga. Dazwischen Schriften — ganze Setzereien, die aufgelöst werden, Matrizen aus München, Frankfurt und Basel, Regale, Schränke, Werkzeug. Was ein Betrieb abstößt, wenn er auf Fotosatz umstellt, ist selten ein Einzelstück; es ist immer die ganze Ausrüstung.

Der Name der Sammlung heißt damals «Das Kleine Setzmaschinen-Museum», und ihr Problem ist der Platz. Zuerst ein feuchtes Lokal an der Zürcher Straße in St. Gallen, ab 1980 die Langgasse: 60 Quadratmeter, bald das ganze Parterre, am Ende fünf Lagerräume an verschiedenen Adressen. Über Jahre gehen Anfragen an Städte und Gemeinden — Rorschach, Lichtensteig, St. Gallen, Gossau. Die Antworten liegen alle noch im Ordner, und sie sind alle Absagen.

1986 wird die Setzmaschine hundert Jahre alt. Zum Jubiläum entsteht eine Broschüre, und mit ihr die erste Aufmerksamkeit über den eigenen Bekanntenkreis hinaus. Nach dem Fall der Mauer kommt eine zweite Quelle dazu: In den neuen Bundesländern stehen Maschinen, die es im Westen längst nicht mehr gibt. Von dort kommen eine fabrikneue russische Zeilengießmaschine, eine Stoppzylinderpresse und kyrillische Matrizen — geholt auf mehreren Reisen zwischen 1990 und 1992.

03 — 1997 bis 2000

Ein Verein, damit es weitergeht

Eine Sammlung dieser Größe trägt niemand allein. Den Anstoß gibt die Jubiläumsfeier «75 Jahre SGG» im Frühjahr 1997: Paul Wirth wirbt dort für einen Unterstützungsverein und erhält Dutzende Zusagen. Am 12. Juni 1997 wird in St. Gallen der Verein Typorama gegründet, mit einer einzigen dringenden Aufgabe: ein Haus finden, das alles unter ein Dach bringt. Erster Präsident ist Erwin Müller, später übernimmt Gerhard Ledergerber. Der Name «Typorama» ist ein paar Monate älter als der Verein — er entstand im Januar desselben Jahres, zusammen mit dem Matrizen-Logo, das die Drucksachen bis heute trägt.

Zwei Jahre später ist es so weit. Auf dem Areal der ehemaligen Papierfabrik in Bischofszell stehen leere Hallen; im Herbst 1999 wird ein Mietvertrag über zehn Jahre unterzeichnet. Vorher streichen Freiwillige in 64 Arbeitstagen die Halle — 718 Kilogramm Farbe. Der Umzug wiegt 60 Tonnen und dauert 24 Fuhren; bis zum Frühjahr sind es 120 Tonnen in 39 Fuhren. Am 22. und 23. November schneit es, und das Schweizer Fernsehen filmt mit. Am 6. Mai 2000 wird eröffnet.

04 — 2000 bis 2011

Ein Museum, das arbeitet

In Bischofszell wird aus der Sammlung ein Betrieb. Maschinen, die zwanzig Jahre still gestanden haben, laufen wieder — jede mit einem eigenen Datum: die russische Neotype 2001, die Monotype-Anlage 2003, die Barotype 2004. Restauriert wird im Frondienst, an Montagen und Samstagen, von Setzern und Druckern, die den Beruf noch gelernt haben, und von Mechanikern, die ihn nicht kennen und trotzdem herausfinden, wie eine Maschine ohne Pläne zusammengehört. 2013 laufen alle dreizehn Setzmaschinen gleichzeitig.

Parallel entsteht das, was ein Museum von einem Lager unterscheidet: Wissen über den eigenen Bestand. Über Jahre werden rund 2400 Schriftsätze in 360 Garnituren erfasst, gereinigt, abgezogen und benannt — bei Handsatzschriften ist der Name nirgends eingeprägt, er muss aus Schriftmustern und Vergleichen erschlossen werden. Begonnen hat Paul Wirth dieses Schriftmusterbuch schon am 31. Dezember 1987 in St. Gallen. Richtig voran geht es erst in Bischofszell, mit dem Frondienst. 2008 wird es eingeweiht: «Der große Schriftenreigen». Ende 2019 folgt ein Ergänzungsband mit den Typo-Elementen.

Dazu kommen Ausstellungen, Kurse und eine Bibliothek, die Freiwillige über Jahre inventarisieren. Und Maschinen kommen weiter herein: eine Fadenheftmaschine von 1940, eine Miehle Vertical, Schwing- und Stoppzylinder aus Dornbirn, die Druckerei eines Dominikanerinnenklosters.

05 — 2011

Der Bestand wird unabhängig

Über dreißig Jahre lang gehören die Maschinen einer Privatperson. Das ist eine verletzliche Lage — Sammlungen dieser Art zerfallen meistens beim Erbgang. Am 28. Mai 2011 beschließt die Generalversammlung einstimmig, eine Stiftung zu gründen; die Urkunde wird am 8. September unterzeichnet, der Eintrag im Handelsregister folgt am 22. November.

Stifter sind der Verein und Paul Wirth gemeinsam. Sie widmen der Stiftung das gesamte Inventar nach einer Liste, die Bestandteil der Urkunde ist. Seither gehört die Sammlung niemandem mehr persönlich. Genau das war der Zweck.

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06 — 2013 bis heute

Wachablösung

2013 kommt Percy Penzel für zwei Monate ins Praktikum. Er hatte das Handwerk in einem Linotype-Kurs im Typorama gelernt und gab es in Stralsund an Jugendliche weiter. Ende 2014 kommt er nach Bischofszell und tritt Anfang 2015 die Stelle an. 2019 legt er die Prüfung als Schweizerdegen ab — Setzer und Drucker in einem, in dieser Form eine Prüfung, die es vorher nicht gab — und wird danach im Brunnen am Hofplatz gegautscht.

Im Dezember 2019 wird die Typorama GmbH gegründet, die seither die Produktion trägt: den Auftragsdruck, den Shop, die Kurse. Seit Januar 2020 leitet Percy Penzel Museum und GmbH. Damit steht das Typorama auf vier Pfeilern — dem Museum, der GmbH, der Stiftung und dem Förderverein. Das Logo von 2020 zeigt sie als vier Ecken.

Zum 25-Jahr-Jubiläum in Bischofszell erschien im September 2025 eine Chronik über die Jahre 1999 bis 2025, mit Bildern aus dem Hausarchiv. Sie ist im Museum erhältlich.

07 — Der Gründer

Paul Wirth

Paul Wirth ist gelernter Schriftsetzer mit einer Zusatzlehre als Maschinensetzer. 1978 kaufte er die erste Maschine, 1983 machte er sich selbständig und hielt die Sammlung jahrelang mit Störsatzarbeit für Ostschweizer Druckereien über Wasser. Er suchte die Standorte, verhandelte die Käufe, organisierte die Transporte, brachte die Maschinen zum Laufen, gab Kurse im In- und Ausland und schrieb den größten Teil dessen, was heute über das Typorama bekannt ist — die Chronik im Vereinsjournal stammt Folge für Folge von ihm.

2011 übertrug er sein Sammelvermögen an die Stiftung und schrieb einen Text darüber, wie es sich anfühlt, plötzlich besitzlos zu sein. 2019 ging er in Pension. Er gehört dem Stiftungsrat weiterhin an und ist Ehrenmitglied des Fördervereins.

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Trägerschaft

Stiftung Typorama

Sie besitzt die Sammlung und trägt den Betrieb.

Mitmachen

Förderverein

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Bestand

Die Sammlung

Maschinen, Schriften und Clichés — durchsuchbar.